Menschenrechte in Russland und Amerika

Wir zeigen immer wieder gerne mit dem Finger auf Russland, nutzen praktisch jede Gelegenheit, um den Staat zu ermahnen die Menschenrechte einzuhalten, seine Bürger und vor allem die Minderheiten mehr zu respektieren und zu schützen, mehr Kritik zuzulassen und und und. Wir lassen keine Gelegenheit aus, um aufzuzeigen, wie rückständig doch der Staat ist und regen uns gerne über die Diskriminierung der Menschen in Russland auf, vor allem über eine willkürliche Auslegung der judikativen und exekutiven Gewalt. Konkret: Menschen werden nicht nach dem Gesetz behandelt, das für alle gleich gilt, sondern sind der persönlichen Willkür der einzelnen Richter und Polizeibeamten ausgeliefert. Viele von uns haben Horrorgeschichten aus Russland gehört, wo Polizeibeamte einem Beschuldigten einfach aus Spaß, Sadismus oä die Finger brechen oder ihn gar brutal zusammenschlagen. Wo Richter zugunsten von mächtigen Oligarchen urteilen und der kleine Mann immer auf der Strecke bleibt. Angeblich sind in den letzten 15 Jahren 245 regimekritische Journalisten ermordet worden (leider keine Quelle dafür). Minderheiten werden nicht geschützt, sondern dem Pöbel ausgeliefert und offen diskriminiert.

Diese Vorwürfe machen wir einem Staat, der erst vor 25 Jahren aus einem langen Schlaf aufgewacht ist, in dem es nur diese Willkür gab, nur das Recht des Stärkeren, nur die staatliche Oberhoheit und praktisch keine individuellen Rechte. In dem die Menschen alles Mögliche kennengelernt haben, nur keine Demokratie oder einen modernen Rechtsstaat. In einem Staat, der nach dem Zusammenbruch des Sozialismus von fremden Mächten und gierigen Konzernen ausgebeutet wurde, in dem für die Menschen nichts mehr übrig blieb: keinen Wohlstand, keine Rechtsstaatlichkeit, keine Zukunftsperspektive. Von diesem Land fordern wir die ganze Zeit, dass es doch endlich mal die Schwulen respektieren soll, obwohl 80% der Bevölkerung homophob ist (angeblich!). Wir haben in einer offenen Gesellschaft Jahrzehnte gebraucht, um die Diskriminierung unserer Minderheiten halbwegs in den Griff zu bekommen, aber Russland soll gefälligst sofort umdenken und unserem ach so noblen Beispiel folgen.

Auf der anderen Seite haben wir wohl noch nie auch nur ein kritisches Wort über die Menschenrechte in Amerika verloren. Das einzige westliche Land, das noch an der Todesstrafe festhält. Für die Deutschland sogar noch jahrelang den tödlichen Cocktail gemixt und geliefert hat, der den Menschen injiziert wird. In dem immer wieder Unschuldige umgebracht werden, unter wirklich schlimmen Umständen, wo der Tötungsprozess eine Farce und ein Schlag ins Gesicht jedes Menschenrechtlers ist.

Wie ist es um die Menschenrechte in Amerika bestellt? Was soll man davon halten, dass praktisch andauernd ein schwarzer Jugendlicher auf offener Straße von Polizisten erschossen wird, nur weil die Vermutung vorlag, dass er bewaffnet sein könnte. Es gibt nach wie vor eine hohe Diskriminierung der nicht-weißen Bürger. Die Menschen arbeiten in Amerika teilweise für einen echten Hungerlohn, gehen oft zwei oder gar 3 Beschäftigungen nach, um überleben zu können. Es gibt zweifelsohne Staaten in Amerika, die homophober sind als in Russland. Und dann noch die Kinderrechte.

2,5 Millionen Kinder sind in Amerika obdachlos. In dem reichsten Land der Welt. Amerika ist das einzige Land – neben Somalia und Sudan – das die Kinderrechtscharta der Vereinten Nationen nicht ratifiziert hat. Nun sitzt ein zehnjähriger seit fast 6 Wochen in einer Isolationshaft und soll nach dem Erwachsenenrecht als Mörder verurteilt werden. Tausende Jugendliche werden jährlich nach dem Erwachsenenrecht verurteilt. Das Land, das Alkohol ab 21 und in manchen Staaten sogar den Kauf von Feuerwerkskörpern nicht unter 18 Jahren erlaubt, in dem die bloße Vorstellung über einen freien Busen sofort alle möglichen Moralapostel auf den Plan ruft, dieses Land macht keinen Unterschied zwischen der Beurteilung einer Straftat bei einem 10-jährigen und einem Erwachsenen. Oft auch nicht zwischen einem geistig gestörten und einem normal entwickelten Menschen.

Das alles passiert in der „ältesten Demokratie der Welt“. In einem Land, das sich selbst in fast allen Punkten als Vorreiter sieht und der Welt Demokratie, Wohlstand, Gerechtigkeit und Frieden bringt. Zumindest nach eigener Auffassung. Wir kriegen diese Sachen immer wieder mit, verurteilen sie aber nicht. Wir finden es sicherlich schlimm, aber mein Gott – so ist Amerika halt, nicht wahr? Doch wenn in Russland eine kreischende Möchtegern-Mädchenband sich ein Huhn in die Möse stopft, als „Zeichen der Auflehnung“, dann berichten darüber alle unsere Zeitungen.

 

http://www.heute.de/ohne-gnade-hinter-gittern-kinder-im-us-knast-35960522.html

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